Mein heutiger Beitrag ist schon etwas älter und eigentlich gebe ich ihn nur sehr ungern in dieser Form an euch weiter. Er stammt aus einer Zeit, in der ich nicht ganz im reinen mit mir und der Welt war und entsprechend ruppig und rücksichtslos ist auch die Wortwahl. Warum ich ihn nicht 100% mag, ihn euch aber trotzdem gebe? Ganz einfach: Es ist der zigste Text den ich hier in GSDS abliefere und er bricht ein wenig aus dem Muster der letzten Texte aus. Zeigt euch einen anderen conhead – naja, viel Spaß!
Prinzipiell fällt erstmal jeder Kunde in die Rubrik: „Kunden die ich hasse“. Ich mache allerdings auch keinen Hehl daraus, dass ich mir die Freudentänze auf dem Kassenband lieber spare. Ist doch auch verständlich oder? Ich meine, so einen Job macht man nicht, weil es einem Spaß macht. Man macht ihn, weil ein Mann tun muss … Moment, falsches Thema.
Man macht ihn, weil es der Autoversicherung, dem Staat, den Konsumgüterlieferanten, den Tankstellen und der Schulcafeteria scheiß egal ist, dass man keine Lust hat sich in solchen Jobs zu knechten. Es bleibt einem keine Wahl. Wer etwas anderes sagt der lügt und gehört verdroschen.
Jedenfalls reagieren manche Kunden auf meinen öffentlichen Unmut mit einem aggressiven Verhalten. Sie wollen mich am Boden sehen – winselnd – und drücken mir eine rein indem sie mir zeigen, wo ich mit meinem Job in der Nahrungskette stehe. Interessanterweise versuchen dies meist die, die selbst gescheitert sind. An ihrem Leben, an der Kindererziehung oder schlicht und einfach an ihrer Schminke.
Die Hexe ist eine von ihnen. Die bläst sich immer so dermaßen auf, dass ich diesen Luftballon von Dummheit und Schminke neulich einfach zum platzen bringen musste.
Mit der Hexe fing es schon früh an. Sie kauft immer fünf 30er Packungen Starlight Zigaretten und 36 Flaschen von unserem Billigwasser. Mehr kriegt die fette Wachtel nämlich nicht in ihren Einkaufswagen. Die Hexe hatte mir irgendwann mal einen abwertenden Spruch zwischen die Rippen gesteckt, genau kann ich mich nicht erinnern, aber somit den Krieg herausgefordert. Lange Zeit hatte ich nicht genug Eier und ignorierte ihre mehrfachen Angriffe und ihr arrogantes Getue einfach. Später begann ich jedoch sie immer alle ihre Waren aufs Band legen zu lassen. Das ist zwar Vorschrift, ich beachte die aber nie. Ich kann die Kunden verstehen, dass sie keinen Bock drauf haben ihre Kästen aufs Band zu stellen und so ist es für mich auch bequemer. Mir ist es ja sowieso egal ob man mich beklaut. Aber die Hexe musste immer schwitzen.
Es vergingen 3 Monate bis wir unser Spielchen auf eine neue Ebene rückten. Bis Samstag vor einigen Wochen. Da erklärte sie mir den totalen Krieg.
Ich fand mich bis Samstag einfach mit ihren Blicken und dem wichtigen Getue ab – ich glaube sie trägt ihr ganzes Gehalt in ihrem Geldbeutel mit herum, nur damit die anderen sehen wie viel Kohle sie hat – ich war ja noch in der Probezeit und hatte jeden Tag das Gefühl, dass ich für den Mist den ich baue gefeuert werde.
Jedenfalls hatte ich an besagtem Samstag gerade meine 30 Minuten Pause als die Ersatzkassiererin nach Hilfe klingelte. Ich unterbrach also mein Kreuzworträtsel für zehn Minuten und ging ihr helfen. Als ich wieder ins Büro wollte, wurde ich von der Hexe aufgehalten,
„Entschuldigung?“
„Ja?“
„Habt ihr kein Krustenbrot mehr?“
„Wenn vorne nichts liegt nicht nein.“
„Eins liegt noch vorne!“
„Dann haben wir noch eins.“
„So was darf euch aber nicht passieren!“
„Wir können da auch nichts für, vor zehn Minuten war noch alles voll, ich hatte nachgesehen“ (Ich habe ihr mit Absicht nicht gesagt, dass ich mir erst eines gekauft hatte, sie wollte 2 Stück.)
„So etwas darf euch aber wirklich nicht passieren!“
„Entschuldigen Sie, ich werde mich sofort darum kümmern.“
Ich ging in den Pausenraum und steckte mir eine Zigarette an.
Gerade als ich die Kippe ausdrückte klingelte es wieder nach der zweiten Kasse. Ich ging wieder hinaus und wollte gerade den Zigarettenständer öffnen, als die Hexe mich von der anderen Kasse ansprach,
„Entschuldigung!“
„Ja?“
„Könnten Sie mir fünf Päckchen Zigaretten bringen?“
Ich verstand in diesem Moment nicht, dass ich mich dadurch zum Laufburschen abstempeln ließ und es einer Kapitulation gleichkam. Aber ich dachte, dass wenn ich ihr jetzt diese scheiß Kippen brächte, das ganze vielleicht ein Ende hat. Also schnappte ich mir die fünf Päckchen und latschte zu ihr rüber. Gerade so konnte ich ein Lächeln aufbringen und hielt ihr die Kippen mit einem „Bitteschön“ hin. Aber sie reagierte nicht. Sie zog es vor sich zu unterhalten. Nächster Versuch, ich legte ihr die Kippen in den Einkaufswagen. Keine Reaktion. Schließlich war ich kurz vorm Platzen.
Was folgte, kam dem Abschuss einer Atomrakete gleich, man weiß genau, die Reaktion lässt nicht lange auf sich warten, aber ich hatte keine Wahl. Ich sagte laut,
„Man kann auch Danke sagen!“.
Sie unterhielt sich weiter und tat so, als hätte es nicht ihr gegolten. Aber alle Kunden drehten sich um, schüttelten ihren Kopf und verstanden genau was gerade passiert war. Sie wurde knallrot und ignorierte mich weiter.
Ich hatte die Rakete abgeschossen aber wo blieb die Reaktion? Die kam drei Tage später. Diese Schlacht wurde allerdings nicht von uns eröffnet.
Ich saß gerade 2 Minuten am Band, da kassierte ich eine Kundin ab, die mich fragte,
„Habt ihr keine Kassetten mehr?“
„Kassetten?“
„Videokassetten!“
„Wenn keine im Regal sind, dann nicht“ – übrigens die Standardantwort. Kann ja auch schlecht ins Lager gehen und nachsehen.
„Es stehen keine im Regal.“
„Dann sind sie aus.“ – Die Diskussion ist beendet?
„Sind sie nur aus, oder führt ihr keine mehr?“ – Woher zum Teufel soll ich das denn wissen? Ich bin eine 9-Stunden Aushilfe, der dieser ganze Scheiß am Arsch vorbeigeht.
„Weiß ich nicht, tut mir leid.“
„Ja was den nun? Sind sie aus oder führt ihr die nicht mehr?!“ – War das ihr Ernst? Die Kunden hinter ihr lachten sich schon schlapp und schüttelten die Köpfe.
„9,80 € bitte.“
Hätte ich es nicht selbst erlebt, würde ich es keinem glauben der es aufschreibt. Aber ich war beteiligt in den ersten 5 Minuten auf der Arbeit. Nicht einmal mein Sitz war schon warm gesessen. Ich meine was soll das? Warum fragt man den Kerl an der Kasse das und nicht die Leute, die im Laden arbeiten? Ich gehe im Bahnhof ja auch nicht zum Zugführer und frage ob der Bahnhofskiosk noch Marlboro-Zigaretten hat.
Ich kassierte eine weitere Kundin ab, welche mich anlächelte und versuchte sich mit ihrem Freund über die Situation lustig zu machen. Aber der Kerl ist Bodybuilder und hat die Situation nicht verstanden.
Die Hexe war als nächstes dran. Ich fluchte zum Himmel, erst die Kassetten-Frau jetzt auch noch die Hexe. Das war zuviel für die ersten zehn Minuten.
Ich zog die üblichen Päckchen Kippen durch den Scanner, doch was war das? Nur 15 Flaschen Wasser?
„Habt ihr noch Wasser da?“, fragte sie mich mit ihrer arroganten Stimme – nicht schon wieder.
„Steht nichts mehr im Gang?“
„Nein.“
„Hm, ich weiß nicht. Entschuldigung.“
„Wie kann es sein, dass Sie das nicht wissen!“ – Ich hätte ihr fast eine rein gehauen. Ohne Scheiß! Meine Adern pochten, pures Adrenalin. Meine Stimme wurde laut und zitterte vor Wut. Ich schrie:
„WARUM ICH DAS NICHT WEISS? WEIL ICH EINE AUSHILFE BIN, WEIL ICH SEIT FÜNF MINUTEN HIER SITZE UND MEIN JOB KASSIEREN IST! Es tut mir ja wirklich Leid für Sie, dass Sie nicht das bekamen was Sie wollten aber ich sitze hier an der Kasse. Ich sehe den Gang nicht und ich sehe das Lager nicht. Es tut mir wirklich sehr Leid aber warum fragen sie mich das? Im Markt stehen zwei meiner Kolleginnen, im Büro sitzt die Marktleiterin und sie fragen an der Kasse ob noch Wasser da ist?!“
In einem ziemlich kleinlauten Tonfall fragte sie mich dann ob ich vielleicht jemanden rufen könne, der das wisse.
Ich rief meine Kollegin, sie versprach der fetten Hexe, dass sie umgehend eine neue Palette Wasser herausfährt, ich kassierte die Alte ab und zitterte am ganzen Körper. Für diese Sache hätte man mich fristlos feuern können, erst eine Woche vorher hatte ich etwas unterschrieben auf dem Stand:
Jeder Kunde wird freundlich behandelt. Jeder! Es wird jedem Kunden „Hallo“ und „Auf Wiedersehen gesagt“, es wird jedem Kunden einen guten Tag gewünscht!
Heil Kunde! (Wortspiel hahaha.)
Aber denkste, die Alte hat sich dann den Einkaufswagen voll mit Wasser gelegt, ich habe sie alles aufs Band packen lassen und als sie von dannen zog sagte sie so was wie,
„Haben wir es doch geschafft“, oder „Geht doch“. Oder irgendsowas. Ich habe diesem Dampfschiff nicht zugehört. Aber eines steht fest: Es ist noch nicht vorbei.
Ich muss ihr wohl oder übel die Borsten aus ihrem Besenstiel reißen und in ihre fette Visage stecken.
Aber irgendwann würde jeder explodieren. Natürlich bin ich in dem Job aufgefordert, besonders arschkriecherisch freundlich zu sein. Ich versuche das auch. Ehrlich. Ich lasse schon ziemlich viel über mich ergehen, allerdings bin ich auch nur ein Mensch und wenn mich jemand wie ein Stück Scheiße behandelt, bitte sehr. Das kann ich auch!
Es wird sowieso zuviel gekniffen vor Kunden, überall! Und mittlerweile denken die, dass sie sich alles erlauben könnten. Sie zerfleddern die Ware, sie öffnen sie und fressen 2 Stücke um die Packung hinterher in irgendeine Ecke zu schmeißen. Sie packen sich kühlbedürftige Ware in den Korb um sich kurz vor der Kasse zu entscheiden, sie doch nicht zu kaufen. Was daraus resultiert ist Gammelfleisch im Zigarettenständer. Ich sehe es nicht ein zu solchen Menschen freundlich zu sein, nur weil es ’Kunden’ sind. Das gibt denen noch lange nicht das Recht ihr Hirn am Eingang zu lassen. Was soll ich von Menschen halten, die so wenig Anstand haben, dass sie ihren Kassenbon nehmen und 2 Sekunden später fallen lassen, obwohl neben dem Ausgang 2 (2!) Mülleimer stehen? Oder von denen, die sich aus Protest an meinem „Kasse geschlossen!“ -Schild vorbeiquetschen mit den Worten „Ich habe nur 2 Sachen“? Ich habe nur Pause, interessiert dich das? Nein. Warum sollte mich dann interessieren ob du Penner 2 Minuten warten musst?
Ich bin ja kein schlechter Mensch und wenn freundlich gefragt wird, dann mache ich so was auch. Aber so nicht.
Der Kunde ist König? Leckt mich am Arsch!