bezahlte Einkaufswagen machen asozial
Ist euch schon einmal aufgefallen wie sehr die modernen Einkaufswagen zur Entfremdung der Menschen beitragen? Erst heute ging es mir beim Einkaufen so. Als ich gerade alles im Auto verstaut hatte, parkte neben mir ein älteres Ehepaar ein. Nun wäre es ein leichtes für mich gewesen, sie zu fragen ob wir alle uns nicht einen Weg sparen wollen und ich ihnen den Einkaufswagen überlassen soll. Sie hätten dann gesagt, oh wie freundlich von ihnen und alle Beteiligten wären glücklich gewesen.
Das allerdings ging so nicht, da ich in den Einkaufswagen meinen Einkaufswagenchip hineingesteckt habe. Den brauche ich natürlich wieder. Um ich bezweifle stark, dass man die Senioren hätte überzeugen können, dass mir diese ihren Einkaufswagenchip überlassen.
Aber selbst wenn ich nur grofanes Geld in den Klapperwagen gesteckt hätte, wäre es aufgrund des unpraktischen Entwurfs der Euromünzen nicht möglich unter fairen Bedingungen Wagen gegen Geld zu tauschen. Zum einen kann der Wagen mit 50 Cent un 1 Euro zwei verschiedene Münzen aufnehmen. Da besteht ein gewisses Risiko, dass die Rentner ausgerechnet nicht den passenden Kleingeldbetrag zur Verfügung haben. Weiterhin kann man wegen des farbigen Randes nicht unterscheiden, ob gerade ein lächerlicher Fuffy oder ein ganzer Euro im Wagen steckt. Misstrauische Senioren wittern da doch gleich einen gewieften Trickbetrüger, wenn ich wahrheitsgemäß behaupte, dass der Wagen mit einem Euro gefüttert ist.
Da mir das alles zu blöd ist schiebe ich den Wagen einfach in seine Bucht zurück. Gäbe es die Wagen kostenlos wäre es kein Problem für mich sozial zu agieren, aber mit den gefräßigen Münzschlössern leben die Menschen einsam nebeneinander her. Das ist die traurige Fratze des Kapitalismus.





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November 9th, 2008 at 7:46 pm
Dann würdest du dich aber auch regelmäßig ärgern, weil du gerade mal keinen Wagen hast. Weil ihn andere Einkaufende nicht zurück bringen oder Obdachlose als Transportmittel gebrauchen.
November 9th, 2008 at 10:41 pm
Ganz falsch. Durch das bessere Sozialverhalten der Menschen würden immer genug Einkaufswagen da bleiben.
November 11th, 2008 at 6:14 pm
Schuld sind nicht die ganzen- oder halben Euros oder die Chips in den Wagen, sondern die wenigen bescheuerten Mitmenschen, die ihre Einkäufe damit immer bis vor ihre Haustür geschoben haben: Deshalb die lästigen Kästen mit den Pfandschlitzen und Ketten an den Einkaufswagen. Wir alle, für die es selbstverständlich ist, fremdes Eigentum zu achten, können jetzt zusehen, wie wir damit zurecht kommen. Wir müssen kollektiv darunter leiden, dass unsere sozialen Adern wie welke Gänseblümchen in der Tropensonne verdorren.
Und die bescheuerten “Ihre-Einkäufe-damit-bis-vor-ihre-Haustür-Schieber”? Viele von denen stört das scheinbar überhaupt nicht. Was ist schon ein Euro? ‘Ne Busfahrkarte ist teurer. Wenn die nicht diese Einstellung hätten, dann würde man nicht immer wieder irgendwelche herrenlosen Einkaufswagen in den Straßen herumstehen sehen.
Wenn man sich die Mühe machen würde, die Dinger zurückzuschieben, dann könnte man mit diesen guten Taten jedes Mal seine vertrocknende soziale Ader bewässern und könnte sich außerdem bei der Gelegenheit noch so manchen Euro dazuverdienen. Aber: Wenn ich in einer städtischen Umgebung mit einem offensichtlich nicht mir gehörenden Einkaufswagen durch die Gegend schieben würde, dann würde ich sogar um Mitternacht auf menschenleerer Straße vermuten, dass hunderte von Augenpaaren auf mich gerichtet sein könnten, die mich in Gedanken möglicherweise gerade mit den übelsten Prädikaten belegen. Außerdem könnte in jedem Hauseingang ein Streifenpolizist lauern, der nur darauf wartet, den dreisten Einkaufswagendieb zu verhaften …
Aber jetzt mal ernsthaft: Warum muss die ganze Welt eigentlich immer unter einigen wenigen leiden, für die soziales Verhalten ein Fremdwort ist?
November 14th, 2008 at 7:38 am
Also zumindest bei meinen Supermärkten haben die Einkaufswagen so schlechte Räder, dass schon das Schieben über den Asphalt vor lauter Rütteln keine Freude ist. Ich kann mir kaum vorstellen, dass jemand die Teile allen Ernstes über 100 und mehr Meter holprigen Fußweg schieben will. Es sei denn man will seine Milch sahnig schlagen oder die Kohlensäure aus den Getränken rütteln.
Ich kenne einen Supermarkt (zugegeben etwas abseits gelegen), der keine Chips verlangt. Für mich als Außenstehenden klappt es da wunderbar.