Senioren döppen
Dezember 27th, 2007Uwe
Der embedded Schulmädchenreporter von Klein Bloggersdorf
Die Augen sprechen eine eindeutige, empörte Sprache. Eine Sprache, die von Weisheit durchzogen, aber von Eitelkeit und Starrsinn überdeckt ist. Die Augen funkeln, ein Anzeichen, bloß keine falsche Aktion in die Wege zu leiten.
Könnten diese Augen reden, würden sie auf jeden Fall folgenden Satz sagen:»Ich gehe seit 25 Jahren hier hin, pünktlich um halb 7! Ich hab ja schon viel gesehen aber SOWAS! Das ist ja unverschämt, nein, sowas habe ich noch nicht erlebt. Die Jugend von heute! Da kann man echt nur den Kopf schütteln!»
Nein, ich habe keine Lust, auf diese Art von Konflikten. Auch wenn man alt und weise ist, kann man sich wie ein Kleinkind verhalten, keine Frage. Die Windeln kommen bei manchen ja auch mit dem Alter wieder zum Einsatz. Und Brei wird immer gerne gegessen. Und unverständliche Sätze kann man auch mit viel Weisheit noch faseln.
Wirklich, darauf habe ich absolut keine Lust. Streiten mit Leuten, die so viele Jahre an ihr Recht geglaubt haben, mit denen zu diskutieren würde nur in Streiterei und einseitige Predigten ausarten.
Ich ziehe die logische Konsequenz und schwimme – wie immer – in Zickzackbahnen. Peinlichst darauf bedacht, keine private Schwimmbahn, die schon 1962 benutzt wurde, zu blockieren, zu berühren, bloß keinen alten Herren oder alte Dame zum Verweilen auf der Stelle zwingen durch meine Anwesenheit – womöglich wäre das der Untergang, den ich mir in bösen Momenten fast herbeisehnen würde.
Schon komisch. Und wenn die mal ihre Bahnen schwimmen, dann gibt es kein wenn und kein aber. Dann gibt es nur sie und die Bahn. Wer im Weg ist, wird angenörgelt. «Können Sie denn nicht besser aufpassen?» «Huch, so eine Unverschämtheit» «Nanana, nicht so stürmisch» – anstatt mal vorher Ausschau zu halten, ob die Bahn überhaupt frei ist, ob überhaupt irgendwas im Weg sein könnte. Überhaupt mal den Kopf bewegen und die Augen aufsperren. Aber das ist wohl zuviel verlangt.
Deswegen bewege ich den Kopf, kann keine Bahn «mein eigenen» nennen, weiche ständig nur aus und dehne so die 50 Meter wahrscheinlich auf 125. Wenn ich dann wieder das Vergnügen brauche, die Bewegungen, die im Winter einen Schneeengel formen, zu vollführen, um auf dem Wasser zu treiben muss ich eine Checkliste abhaken. Bahn frei? Kein Herr und keine Dame in Begriff, diese Bahn in der nächsten Minute zu durchkreuzen? Keine tauchenden Rentner, die vor einem auftauchen könnten wie das Gespenst um Mitternacht? Belege ich in diesem Moment nicht schon eine private Bahn, «schwebe» im Weg rum oder sonst was? Nein? Nicht?
Sehr gut. Ab dafür. Nach 5 Sekunden wird mir ganz unwohl. Schnell anhalten, herumwirbeln und wieder Ausschau halten. Ja. Da kommt was. Mit dem Rücken entgegen. Laut schnaubend und zur linken Seite hin quasselnd.
Ich verweile auf der Stelle. Das Etwas kommt näher, noch näher. Kein Anzeichen, dass man sich umdrehen wird. Sie schwimmt vorbei, immer noch wild quasselnd.
Ich schaue sie an, dann wieder, dieser Blick, der mir fast Kälteschocks versetzt. Sie schwimmt weiter und quasselt natürlich unentwegt. Was auch sonst.
Wahrscheinlich hätte das Wasser um sich herum gekocht, hätte ich es auch nur gewagt, sie anzusprechen. Wahrscheinlich wäre der Beckenrand explodiert, das Wasser zu saurem Blut und der Himmel zu Schwefel geworden, wenn ich einfach mal das ungute Gefühl ignoriert hätte und voll gegen sie geschwommen wäre. Ja, wahrscheinlich hätte ich dann das Unwetter von vorhin als Omen, Zeichen und Weltuntergang interpretiert.
Aber so? So ärgere ich mich etwas. Nur etwas. Ein bisschen darüber, dass diese Leute manche Dinge wie selbstverständlich nehmen und dabei nicht den geringsten Nährboden für eine Diskussion bieten. Das prallt alles ab, wird mit Empörung erwidert und dann geht es weiter.
Wozu aber aufregen? Menschen sind so, ändern kann man sie nur mit Zeit, Geduld und Einfluss. Hab ich nicht, hab ich nicht, hab ich nicht. Hölle aber auch. Dann reg ich mich besser über Verhalten auf. Verhalten kann man kritisieren, ohne die Person des armen, gefrusteten Rentner anzugreifen, der neuerdings als neuer «Königskunde» mit bester Kaufkraft gilt, und doch so labil erscheint. Verhalten kann man auch ändern. Vielleicht mit den eigenen Waffen zurück schlagen.
Ja, mit den eigenen Waffen. Notiz an mich: morgen einfach mal den Schwimmstil so arg verschlechtern, dass alle benachbarten Mitschwimmer ein bisschen Wasser mit Chlor ins Auge kriegen.
Das wäre ein Anfang. Dann kann ich mich noch immer auf meine «stürmische Art» berufen, auf «Jungs sind Jungs» und «Kinder müssen spielen» – nebenbei würde ich diese grässlichen Blicke etwas auswaschen und wer weiß, vielleicht kommt dann ein Auge zum Vorschein, dass eine nettere Sprache spricht.
PS: Wie amüsant. Dieser sinnlose Titel. Aber so zweideutig. Und dann noch so auf den Kontext bezogen. Wäre Chlor nicht so ungesund, würde ich eine Vermutung über Chlor und den menschlichen Geist anstellen. Lassen wir das.
Vom Senioren Döppen zum Senioren Erschrecken, das Sequel dieses Beitrages, kannst du hier lesen





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