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den Müll rausbringen

Eigentlich gehöre ich zu den Leuten, die den Müll erst dann raus bringen, wenn der Mülleimer randvoll ist. Ich finde ja, dass man den charakteristischen Geruch der dem Mülleimer entströmt der Faulheit zuliebe hinnehmen kann und muss. Leider sehen meine Nachbarn das etwas anders, welche mich schon regelrecht wegen des “bestialischen Gestanks”, wie sie es nennen, mobben. Aber davon lasse ich mich nicht kleinkriegen. Als sich dann bedingt durch die intensive Sonnenstrahlung der Geruch doch etwas intensivierte und die Leichenbestatter schon vor meinem Fenster parkten, weil sie auf die Räumung einer Leichenwohnung hofften entschloss ich mich dann doch eine Ausnahme zu machen und den Mülleimer gegen meine Gewohnheit vorzeitig herauszubringen.
Das war dann doch schwerer als Gedacht. Den ersten Annäherungsversuch an den Mülleimer brach ich schnell ab, da ich befürchtete durch die verströmten Gase in Ohnmacht zu fallen. Der charakteristische Geruch war anscheinend doch ein bestialischer Gestank. Aber da musste ich nun durch. Zehn Dosen Febreze später konnte ich mich dann mit einem feuchten Tuch vor den Atemwegen dem Mülleimer weiter nähern, allerdings stürmte mir plötzlich eine schwarze Wand voller Fliegen, die in meinem Mülleimer eine neue Heimat gefunden hatten, entgegen, sodass ich Hals über Kopf die Flucht ergreifen musste. Eine Fliegenklatsche war aufgrund der schieren Menge der Fliegen keine wirkliche Option und der herbeigerufene Kammerjäger schickte nach der Schilderung der Lage ein Stoßgebet gen Himmel, bekreuzigte sich und verschwand im Sauseschritt. Nun war guter Rat teuer. Letztendlich entschloss ich mich dazu mit einem Flammenwerfer die Wohnung zu stürmen. Mit diesem konnte ich die Fliegen zwar nicht töten aber zumindest wurden den Insekten die Flügel versengt, sodass sie nur noch auf dem Boden herumkrabbeln konnten. Der Plan hat auch sehr gut funktioniert, auch wenn es leider einige Kollateralschäden unter meinem Mobiliar gab. Danach konnte ich, bekleidet mit einer Wathose, durch das Meer flügelloser Fliegen hindurch zum Mülleimer stapfen und den Müll heraustragen. Aber an der Wohnungstür erwartete mich schon das nächste Problem: militante Umweltschützer, der übelsten Sorte. Die hatten doch tatsächlich vermutet mein Mülleimer enthalte neuartige Lebensformen und wollten mich deshalb nicht passieren lassen. Aber zum Glück konnte ich sie schnell mit den am Boden liegenden Fliegen ablenken um endlich erfolgreich den Müll rausbringen. Ich gab den Umweltschützern ihnen ein paar Blatt Papier und sie bastelten daraus den Fliegen mit sehr viel Elan Flügelprothesen. Falls ihr also eine Fliege mit Papierflügeln seht wisst ihr, dass sie mein Mülleimermassaker überlebt hat.

Trackback | Autor: flash| Tags:

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6 Antworten to “den Müll rausbringen”

  1. mars sagt:

    ach nachbarn sind doch was feines…meine reissen gern mal die lautsprecher auf maximum und beschweren sich dann, wenn ich um 3 uhr morgens wage, den schlüssel ins schloss meiner wohnung zu stecken..herrlich…

  2. schlawinski sagt:

    nette geschichte. und so schön blumig umschrieben. sollten wir eine gebundene kurzgeschichtensammlung draus machen.

  3. flash sagt:

    Ich träume ja davon, dass diese Geschichte mal als Kurzfilm verfilmt wird.

  4. opatios sagt:

    Wenn schon, dann sollte “The Kitchen Sink Of Doom” verfilmt werden.
    Ein Text, den ich aktuell ärgerlicherweise nicht mehr auf Google wiederfinde, aber ich hab ihn mir definitiv nicht ausgedacht…
    Geht um eine Küche, in die das dreckige Geschirr immer nur reingetragen wurde, keiner bereit war zu spülen, und schließlich hat ein ekelgeplagter WG-Bewohner die Küchentür mit Plastikfolie und Tape “versiegelt”…

  5. flash sagt:

    Ich kenne das Problem der nicht mehr auffindbaren Geschichten nur zu gut. Selbst Texte aus meinem eigenen Blog finde ich manchmal nicht wieder.

  6. JeriC sagt:

    irgendwie musste ich spontan an die Szene aus “simpsons” denken, wo bart eine Bananenschale an den Mülleimer tackert und Homer dann das übervolle dingen rausbringen muss :D

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