Ihr kennt das: Ganz entspannt fährt man ins Nachbarstädtchen, um noch eine Kleinigkeit zu Weihnachten für seine Lieben einzusacken. Man denkt sich – 18:00 Uhr (!), eigentlich ne gute Zeit um sich in die Vorweihnachtsmassen zu stürzen. Doch in der Provinz laufen die Uhren ganz anders und das musste ich einmal mehr am eigenen Körper spüren. Bevor es in den Elektrofachmarkt meines Vertrauens ging, war eine Eisbestellung Pflicht. ICH LIEBE EiS
! Die Vorfreude auf dichtes Gedränge war jedoch so stark, dass ich die kalte Köstlichkeit nicht vorort genoß, sondern von jetzt auf gleich per Kfz auf den Parkplatz des Elektronikfachmarktes fuhr. Dort angekommen, mittlerweile war es 19:20 Uhr, musste ich etwas verdutzt feststellen, dass die Bürgersteige bereits um 19:00 hochgeklappt wurden. Seltsam für einen Markt dieser deutschlandweit bekannten Kette aber was soll man machen – Provinz eben. Was macht ein Glühweinjunkie bei einer solchen Enttäuschung? Richtig, man schiebt Frust und genießt etwas muffelig sein Eis auf dem Parkplatz des Marktes, bevor man sich gegen 19:30 Uhr auf den Heimweg macht. Heimweg, gutes Stichwort, dazu kam es vorerst nicht, denn man hatte mich doch tatsächlich auf dem Firmengelände eingesperrt. Die Mitarbeiter haben in Ihrer Weihnachtsvorfreude wohl den Blick auf den Parkplatz verschwitzt und somit dem Ärger Tür und Tor geöffnet. Unpassendes Wortspiel, ich weiß! Ehrlich gesagt blickte ich auf ein dickes Schloss am massiven Stahltor. Messerscharfe Metallspitzen an der Oberkante des Tores (Stacheldrahtersatz) rundeten das für mich ungewohnte Szenario ab und hinderten mich vorerst an unüberlegten Fluchtversuchen. Ich war gefangen! Nach einigen Irrgängen über das Gelände auf der Suche nach einer Telefonnummer, welche Rettung hätte versprechen können, fand ich mich mit der Situation ab und fasste mir ein Herz. Ich kletterte über das Tor, verletzte mich an den scharfen Spitzen, riss mir die Hose kaputt, beschädigte mein Handy, welches mir bei dieser waghalsigen Aktion aus 2 m in die Tiefe fiel und sprang letztendlich in die Freiheit. Was ich dann zu Gesicht bekam, könnte ironischer nicht sein. Ich war offensichtlich in bester Gesellschaft, denn das Problem war bekannt. Der Hinweis an der Vorderseite des Tores:
“Sollten Sie sich eingeschlossen haben, wählen Sie die folgende Nummer des zuständigen Wachdienstes. Halten Sie darüberhinaus ein Entgelt von 30 € als Aufwandsentschädigung bereit.”
Frecher gehts kaum! Auf die Idee, das Schild an der Außenseite des Tores anzubringen, kann entweder nur ein minderbemittelter Zuständiger oder Sportskanonen vom Schlage Stefan Holm gekommen sein, die mit Leichtigkeit per Flop den 2m Zaum überwunden hätten. Kurzum, Nummer gewählt, Anliegen geschildert, ausgelacht worden, 30 € abgedrückt und ich konnte meinem Parkplatzknast den Finger zeigen. Mein Retter nahm es es mit Humor und meinte, er sei während seiner Wachdienstkarriere schon 3mal ausgerückt um Leuten den Weg in die Freitheit zu schenken. Ich werde diesen vorweihnachtlichen Schreck nicht so schnell wieder vergessen und habe mich dazu entschieden, Alles zu versuchen, mir die Kohle wieder zu holen. Habt Ihr Ähnliches erlebt, so bin ich auf Eure Geschichten sehr gespannt. Rein damit in die Kommentare – tröstende Worte auch